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STANDPUNKT· 20.08.2026·Johann Horch

4.000 Reisebüros. Und ein Nachfolgeproblem, über das niemand redet.

Reisebüros sterben nicht an Amazon. Sie sterben an der Nachfolge.

In der deutschen Touristik arbeiten heute rund 17.000 Menschen weniger als 2019.

Das ist kein Konjunktureffekt. Das ist ein Strukturbruch.

Die Branche erzählt sich seit zehn Jahren dieselbe Geschichte: Wir verlieren gegen die Online-Portale.

Falsch.

Reisebüros sterben nicht an Amazon. Sie sterben an der Nachfolge.

Die Zahl der Auszubildenden zu Reiseverkehrs- und Tourismuskaufleuten liegt bei knapp 2.000. Vor der Pandemie waren es rund 4.500.

Wer heute ein Reisebüro führt, hat im Schnitt niemanden, der es übernimmt. Und niemanden, den er einarbeiten könnte, selbst wenn er wollte.

Das ist kein Vertriebsproblem. Das ist ein Eigentümerproblem.

Ich habe das in der Finanzbranche einmal von vorne bis hinten durchgespielt. Zehn Übernahmen in drei Jahren. Der Auslöser war fast nie Wettbewerbsdruck. Es war das Alter des Inhabers.

Was daraus folgt:

  • Wer in fünf Jahren verkaufen will, muss heute anfangen. Nicht mit dem Verkauf. Mit der Übergabefähigkeit.
  • Ein Unternehmen, das ohne den Inhaber nicht läuft, ist kein Unternehmen. Es ist eine Stelle.
  • Automatisierung ist hier kein Effizienzthema. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt jemand kaufen kann.
  • Der Preis entscheidet sich nicht in der Verhandlung. Er entscheidet sich drei Jahre vorher.

Konsolidierung kommt nicht, weil jemand sie will. Sie kommt, weil die Alternative das Erlöschen ist.

Wer von euch hat einen Nachfolger — und wer hofft noch?