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STANDPUNKT· 18.08.2026·Ina Just

Erste Tage in Freiheit

Ich wollte reisen. Gesessen habe ich zwölf Stunden am Rechner.

20 Jahre Fintech. Eine Ausgründung aus der Hochschule Zittau/Görlitz, die wir 2006 zu zweit gestartet haben.

Erst CPO, dann COO. Nach dem Reverse IPO Geschäftsführerin der operativen Gesellschaft, später zusätzlich CPO der Aktiengesellschaft.

In drei Jahren zehn Übernahmen. Ich habe jede einzelne Due Diligence geführt.

Dann der Exit und Verkauf an PE.

Danach wollte ich nur eines: reisen.

Nicht als Pauschaltouristin. Individuell, mit Zeit für Sprache und Kultur.

Die erste Woche war eine Enttäuschung.

Ich habe recherchiert, verworfen, neu recherchiert. Hotels, die nicht hielten, was sie versprachen. Flüge, die nicht passten.

Ich habe Reisebüros gefragt, Veranstalter, war auf Messen unterwegs. Zurück kamen PDFs, Word-Dokumente, PowerPoints mit diversen Angeboten unterschiedlichster Couleur.

Ich habe in zehn Unternehmen hineingesehen, bevor wir sie gekauft haben. Ich weiß, wie eine Branche aussieht, die ihre eigenen Prozesse nicht kennt.

Die Reisebranche war schwerfälliger als die Bankenwelt, aus der ich gerade gekommen war.

Also habe ich es selbst gemacht.

Zwei Wochen später saß ich immer noch am Rechner.

Ich reiste nicht.

Das war nicht der Plan.

Als COO hatte ich gelernt, wie man ein Team aufbaut. Also habe ich eins aufgebaut. Nur nicht aus Menschen.